Mann trägt immer Langarm
Das Hemd ist der Klassiker in der Herrenbekleidung. Doch Hemd ist nicht gleich Hemd. Dessen ist sich auch Barack Obama bewusst und setzt konsequent auf Weiss. claudio moro Giorgio Mendicini setzt in Sachen Hemden ganz auf Weiss. «Bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts war das der Standard», erläutert der Italiener, der sich seit Jahrzehnten mit dem Stil der Herrenbekleidung beschäftigt. Seine Bücher begleiten mittlerweile Generationen von Herrenschneidern, und seine Anregungen beeinflussen selbst weltbekannte Modedesigner. Dass sein Wissen selbst in den USA auf offene Ohren stösst, beweist kein anderer als Barack Obama. Der US-Präsident trägt ausschliesslich weisse Hemden, und Mendicini weiss auch, warum: «Das weisse Hemd eignet sich für jede Gelegenheit.» Das Hemd ist neben Lederschuh und Jackett das dritte Kernelement der klassischen Herrenbekleidung. Ein gut sitzendes Hemd ist wie eine zweite Haut. Es schmiegt sich optimal an den Oberkörper an und verbindet Komfort mit Form. Seit die so genannte «New Classic»-Welle die Herrenmode erfasst hat, zerbrechen sich Designer bei Labels wie Dolce & Gabbana, Thom Browne oder Ralph Lauren die Köpfe, wie man das Hemd gleichsam neu erfinden kann. Der Spielraum ist sehr eng. Gebastelt wird an Kragen, Manschetten oder am Muster. Der Rest bleibt unangetastet. Denn: Der Klassiker ist derart gut, dass jede zusätzliche Veränderung einer Verschlimmbesserung gleichkäme. Dreh- und Angelpunkt eines Hemdes ist die richtige Kragenweite. Die optimale Weite stellt man mit einem Massband fest: Gemessen wird die Weite am Halsansatz, wobei man eine Fingerbreite dazuzählt. Konfektionsgrössen wie 39, 40 oder 41 beziehen sich auf diese Kragenweite. Seit die Herrenmode eine körperbetontere Linie bevorzugt, gewinnen taillierte Hemden an Bedeutung. Gleichwohl: Das Hemd soll um den Bauch herum nicht spannen – aber auch nicht sackförmig abstehen. Ein weiteres wichtiges Element ist die Ärmellänge. Entscheidend ist dabei die Abstimmung zwischen Hemd und Jackett. Bei ausgestrecktem Arm ragt die Hemdmanschette etwa anderthalb Zentimeter heraus. Die Ärmellänge des Jacketts ist also kürzer als diejenige des Hemdes. Schon allein an diesem Detail, so die Stilexperten, kann man den stilvoll gekleideten Mann erkennen. Einigkeit herrscht auch bei einer anderen Stilregel: Das Hemd sollte man nie über der Hose tragen. Stilregeln zahlen sich besonders dann aus, wenn Gewohnheit, Bequemlichkeit oder ein aktueller Modetrend den Bogen des Angemessenen überspannen. Ein Beispiel geben Politiker im Sommer ab. Nicht selten tragen sie unter dem Jackett ein Kurzarm- Hemd. Ein absoluter Fauxpas, denn Mann sollte stets Langarm tragen. Dies dient dem Schutz des Jacketts vor Schweiss und Schmutz. Letzteres führt auch deutlich vor Augen, wieso das Hemd täglich gewechselt werden muss. Überdies darf ein getragenes Hemd nicht wieder aufgebügelt werden, es wandert direkt in den Wäschekorb. Ein Mann sollte mindestens 14 Hemden besitzen, sagt Hans-Rudolf Büchli, Herrenausstatter aus Aarau. «Zehn Hemden für den Berufsalltag, vier für die Freizeit.» Ein weiterer Fauxpas ist Synthetik. Der beste Stoff für Hemden ist Baumwolle. Sie fühlt sich gut an und lässt die Haut atmen. Wichtig ist überdies, dass man auf blickdichte Ausführung achtet. Diese versperrt den Blick auf die Haut. Nicht verhindern kann sie dagegen den Blick auf ein T-Shirt. Der stilbewusste Mann trägt folglich auch kein T-Shirt unter dem Hemd – eine Unmode, die gerade bei Bankern sehr oft zu sehen ist. «Farblich eignen sich neben Weiss speziell Blautöne», erklärt Giorgio Medincini. Bei Mustern sei Vorsicht angebracht. «Verzicht ist da der beste Tipp.» Barack Obama scheint in dieser Hinsicht bestens beraten zu werden. Der frische Nobelpreisträger macht stets eine gute Figur. Wenig überraschend also, dass die Nachfrage nach weissen Hemden zugenommen hat, seit er die internationale Politbühne betreten hat.
Tipps für Stilbewusste
- Ein gutes Hemd hat keine Brusttasche.
- Haifisch-Kragen betont die Krawatte.
- Gemusterte Krawatten passen einzigzu einfarbigen Hemden.
- Für feierliche Anlässe Doppelmanschetten mit dezenten Manschettenknöpfenwählen.
- Bei gestreiften oder gemustertenHemden eher Zurückhaltung üben.
- Vor dem Kauf eines Hemdes an den Knöpfen drehen. Lockern sie sich leicht,dann Hände weg.
- Je feiner die Naht, desto besser (hohe Zahl Stiche pro Zentimeter).
- Das Hemd wird gebügelt,wenn es noch leicht feucht ist.
- Hemd hängend aufbewahren.
(cmo)
