Mittellandzeitung 05.03.2007
"10 Jahre ModeElle - das Couture-Lehratelier des SFG jubilierte"

Vergessen Sie Paris oder Rom

Niederlenz 10 Jahre ModeElle › das Couture-Lehratelier des SFG jubilierte
Rosmarie Mehlin

Dunkel wars, der Mond schien mässig helle, als sich am Freitagabend Scharen von Menschen zwischen Baugruben und Industriebauten im Hinterhalt der Niederlenzer Lenzburgerstrasse auf den Weg zum Ziel machten. In einem leerstehenden Fabrikgebäude wurden gut und gerne 500 Damen und Herren fündig. Dorthin hatte das unter der Protektion der Schweizerischen Gemeinnützigen Frauen stehende Couture-Lehratelier ModeElle zum Jubelfest geladen: Die Ausbildungsstätte für Bekleidungsgestalterinnen gibt es seit zehn Jahren.

Bunte Primeln lachten die Gäste beim Eingang an. Drinnen, wo viele Reihen tief Stühle um einen Laufsteg gruppiert waren, leuchteten, eher weihnachtlich, Lämpchen an kahlen Ästen, während Blumiges gänzlich durch Abwesenheit glänzte, was angesichts der Tatsache, dass ModeElle auf dem Areal der Schweizerischen Gartenbauschule angesiedelt ist, etwas befremdete. Zu Mineral oder Prosecco wurden ab 19 Uhr Grissini geknabbert, angeregter Smalltalk gepflegt und der zurzeit schönste Schweizer, Miguel San Juan, von zumeist jüngeren Autogrammjägerinnen belagert. Seine Augen sind in Wirklichkeit noch himmlischer blau als auf den Fotos, seine Frisur unverändert gewöhnungsbedürftig, kurzum, er ist halt, wie er ist, mein Typ ist er nicht, was aber ja auch gar nicht hierher gehört.

Gegen 20 Uhr rollten ein Mann und eine Frau in Übergwändli auf dem Laufsteg einen roten Teppich aus: Die beiden Hobby-Schauspieler Anna Hegi und Hans Melliger versuchten sich, ohne grossen Erfolg, in einer kabarettistischen Einlage. Viel Freude hingegen bereitete später am Abend das Jugendorchester Wettingen unter Leitung von Walter Luginbühl mit Werken von Mozart, Moritz Moszkowski kowski und Richard Rodgers.

Vorerst aber › oh, la la › schritten Promis über den Laufsteg: Nationalrat Urs Hofmann etwa sowie die Grossräte Ruedi Suter und Thomas Leitch, eingekleidet von Men’s Republic in Aarau, machten eine (fast) so gute Figur wie die Damen, unter anderem die langjährige Kantonalpräsidentin der Aargauer Gemeinnützigen Frauen und Präsidentin der Atelier-Kommission, Irène Leuenberger; Susi Rupp, Präsidentin der Frauenzentrale Aargau, und die Lenzburger Stadträtin Kathrin Nadler. Sie alle waren › klar › massgeschneidert gewandet von ModeElle. Mir gefiel das Deux-Pièces von Grossratspräsidentin Esther Egger mit schwarzem, knöchellangem Codé-Jupe und schwarz-brauner, glänzender Jacke im Boléro-Stil am allerbesten. Leider waren die Kommentare von M1-Moderatorin Ellen Brandsma (Tele M1) wenig ergiebig und blieben es den ganzen Abend hindurch: Da wurde nichts erläutert und, ausser ein paar banalen Fragen an Prominente («Herr Landammann Wernli: Was ist wichtiger bei einem Politiker, was er trägt oder was er sagt?») keine Zusatzinfos vermittelt.

Aber «Have a look» sprach ja glücklicherweise für sich: Unter diesem Titel präsentierten in einem Wettbewerb acht Jung-Designerinnen und zwei Jung-Designer aus der ganzen Schweiz ihre Kreationen › wow! Das war echte Konkurrenz für Joop, Lagerfeld, Armani und wie die Götter des Mode-Olymp alle heissen. Allein schon wegen gewisser Mannequins, die da in Niederlenz auf schwindelerregenden Highheels echt professionell über den Laufsteg wippten. Und wegen der falschen Wimpern, die jedes unangebrachte Klimpern cool unterbanden.

Frisuren, Make-up, Schuhe, Verarbeitung, Kreativität, Styling, Eigenständigkeit › all das wurde vom Publikum lustvoll und staunend, von einer Fachjury kritisch unter die Lupe genommen: Kapuzenshirts, Ballonkleider, Hotpants, Capri- Röhrlihosen, ein in schwarze Volants gehüllter Transvestit, bis übers Knie reichende Turnschuhe › der modischen Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Doch auch die Mode erfindet das Rad nicht neu. Irgendwie kommt alles irgendwann wieder. So gewann die 21-jährige Evelyne Pfeffer aus Gümmenen BE mit ihrem raffiniert und sexy umgesetzten Look à la «Mädchenpensionat» nicht nur Silber und damit 3000 Franken, sondern unter tosendem Applaus auch den Publikumspreis. Bronze (1000 Franken) ging an eine Aargauerin: Yasar Spörndli (24) aus Reitnau verblüffte durch weich fliessende, ebenso schlichte wie extravagante Formen. Gold und damit 5000 Franken gab es für die verblüffend ver- und enthüllenden, wunderschön verarbeiteten Modelle der 22-jährigen Nicole Burri aus dem bernischen Uettligen.

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